08. Reisetag: Hedervár – Ács (69 km)


Neuer Tag, neues Glück, Feiertag und endlich wieder gescheit Sonne am Start. Laut Wetterbericht soll es auch für den Tag so bleiben. Gegen 9:30 Uhr waren die Räder wieder gepackt und es konnte über den weiterlaufenden Radweg weitergehen. Am Ortsende konnten bzw. versuchten wir an der Tankstelle, die Reifen auf gescheiten Druck zu bringen. Leider waren, wie auch in Deutschland immer wieder zu erfahren, die Anschlüsse schon irgendwie ausgenuddelt. Also ging es nur zu zweit. Da aber Didis Reifen einen Druck von 6,5 bar (16” Räder mit relativ schmalem Reifen!) benötigten, brachten wir das Maschinchen ganz schnell an seine Grenzen. Wenn man bedenkt, das laut Anzeige ab 5 bar wir in den gelben Bereich kamen … hatte es wenigstens bei mir gerade so gelangt. Also musste doch die Handpumpe her und es wurde bestmöglichst nachgepumpt.
Von diesem „Schock“ wieder erholt, ging es wieder auf der anderen Straßenseite auf den Radweg, der ziemlich durchgängig bis nach Győr parallel zur Straße bzw. in den Ortschaften auf den Fuß-Radwegen verlief. Je näher man Győr kam, desto auffällig neuer waren die Häuser – da fragte sich Didi immer wieder, woher dafür das Geld wohl kommen mag, wenn die Ungarn doch über kein so hohes Durchschnittseinkommen verfügen.
Am Ortseingang von Győr sponn auf einmal wieder das Navi zwecks Richtungsanzeige. Also kurzes Probieren mit der Fahrt in die eine und dann wieder andere Richtung. Und dann fing sich das Navi wieder. Dabei wurde gleich die erste Tankstelle angesteuert, Didi brauchte Luft und bissl Kalorien in Form eines Cappuccinos und eines Eises – was sonst 🙂 Durch die Stadt ging es verhältnismäßig flott voran. Es gab immer wieder die EuroVelo-Hinweisschilder, denen wir „prinzipiell“ auch folgten. Es ging parallel an den Schienenanlagen sowie durch ehemalige Gewerbegebiete vorbei. Da war dann auch mal ein Stück gewesen mit wohl nagelneuem Asphalt – da kam Freude auf und man sah, es geht doch, wenn man will. Aber die Freude sollte nur kurz weilen.

Denn es ging dann auf schlechten Straßen weiter und nach der Überfahrt einer Autobahnbrücke kam ein schlechter Feldweg (offiziell als Donauradweg ausgewiesen!) von knapp 2 km Länge. Didi kam es wie 10 km vor und durch die vielen Kuhlen war das Fahren gerade für ihn und sein Faltrad alles andere als komfortabel. Ich, der auch die vielen Sandwege in Ungarn kennt, war ja schon froh, dass der Feldweg an sich jedoch fest war und wir die Räder nicht schieben mussten. Als es dann eine Ausweichmöglichkeit gab, bogen wir auch sofort auf den Asphalt ab und nahmen nur einen kleinen Bogen als Abweichung in Kauf, der praktisch zu vernachlässigen war.

3 Ortschaften weiter wollte ich ein Landesgestüt besuchen, dass ich bis dato noch nicht kannte. So viele Pferde sahen wir dann doch nicht auf den Koppeln wie erhofft. Also ging es dann auch zügig weiter in Richtung Ács. Vor der erneuten Autobahnüberquerung gab es auch mal einen schönen Hügel, den wir zwar zuerst hoch mussten, dann aber schön runterrollen konnten. Im Ort staunte ich nicht schlecht, als das Navi meinte, wir seien am Ziel. Aber da war nur eine Gaststätte auf der Ortshauptstraße zu sehen. Kein Campingplatz weit und breit. Die Adresse stimmte. Also die Gäste einfach gefragt, die meinten, dass der Platz außerhalb der Ortschaft in Richtung Komárom zu finden sei. Also weiter und mal Ausschau halten. Und siehe da, diverse Hinweisschilder wiesen uns dann den Weg und wir waren kurzerhand an unserem Tagesziel angekommen.

Nun hieß es, auf dem scheinbar eher kleinen Campingplatz den „Chef“ zu finden. Der Wachhund schlug zwar an, auch die von mir betätigte Klingel. Aber schien niemand da zu sein. Also erstmal den Platz nach Leuten abgesucht und dann einen hilfsbereiten Schweizer angetroffen, der uns als Chefvertretung einen passenden Platz zuwies, sogar mit Stühlen und Tisch und Stromanschluss in greifbarer Nähe. Die Preise wie am Eingang angegeben, stimmten auch, also ließen wir uns nieder und bauten unsere Zelte auf. Mittlerweile ist der Chef auch aufgewacht von seinem Mittagsschlaf und wir konnten uns kurz vorstellen und schnell das Geschäftliche abwickeln. Danach gings ab unter die Dusche und dann gleich die gewaschenen Radelklamotten auf die Leine gehangen und dann endlich mal die Gaskocher rausgeholt und damit gekocht. Didi seine Ravioli aus der Dose, ich meine China-Instantnudeln. Didi besorgte sich auch den wohl verdienten „Hopfenblütentee“ 🙂 Mit dem Schweizer saßen wir auch zusammen und plauderten bis in die Nacht hinein.

Da der „Tee“ ausging, musste Didi vor zum Chef, der in seinem Häusel gerade ein paar Gäste auf dem Keyboard bespaßte. Na da musste Didi mal seine Spielkünste vorführen und begeisterte alle dermaßen, dass sie ihn nicht mehr weglassen wollten 🙂 Hinten haben wir davon nix mitbekommen. Wunderten uns nur, warum Didi so lange für seinen „Tee“ brauchte 🙂
Mittels Weltempfänger bekam er sogar eine deutschsprachige Radiosendung aus dem Iran so sauber rein, dass er sich freute wie ein Kind auf den Weihnachtsmann, wie sauber doch der Empfang ist. Dies wurde natürlich als Empfangsbericht an den Sender verfasst und verschickt!
Gegen Mitternacht oder doch schon eher ging es für uns dann doch in die Schlafsäcke, denn es wurde dann doch frisch und luftfeucht und die vielen Mücken dienten nicht wirklich der Entspannung.


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